Man ist mindestens so angespannt wie bei einem Bewerbungsgespräch und vor lauter Aufregung kriegt man kaum einen Bissen herunter. Noch unangenehmer als so ein Date ist höchstens noch der Zahnarzttermin.  Das ist jedoch nicht der Grund, warum junge Menschen heutzutage beinahe daran verzweifeln, einen Partner zu finden. In der modernen Dating-Welt sieht es nicht besonders rosig aus und nach dem großen Beziehungsglück sucht man hier wohl eher vergeblich.

Ghosting, Benching, Orbiting – oder worauf man beim Dating gefasst sein sollte

Nein, diese Begriffe haben in diesem Fall nichts mit Gespenstern oder einer Sternumkreisung zu tun. Die meisten Singles heutzutage haben oft schon schmerzhaft erfahren müssen, welche Dating-Phänomene sich dahinter verbergen. Aber erst mal zur Begriffsklärung: Das Ghosting bezeichnet ein sehr weit verbreitetes Phänomen, bei dem der Dating-Partner plötzlich untertaucht. Nach tage-, wochen- oder gar monatelangem regelmäßigen Kontakt und aus unerfindlichen Gründen, wird man plötzlich ignoriert.

Frau mit Handy auf Sofa

Die nächste Methode ist das Benching: Bench heißt auf deutsch Bank, oder besser gesagt, Ersatzbank. Dabei handelt es sich um eine Taktik, bei der man mit sporadischen Nachrichten oder Dates warmgehalten wird – alles ganz unverbindlich, versteht sich. Man wird als eine Option unter vielen schlicht hingehalten. Orbiting heißt zu deutsch so viel wie umkreisen. Hierbei wird man auch geghostet. Der Unterschied ist jedoch, dass der eine den Dunstkreis des anderen nicht völlig verlässt. Er folgt dir weiter auf den sozialen Medien und liked auch deine Fotos.

Warum viele Singles aufs Dating gar keine Lust haben, fragt man sich nicht mehr, wenn man weiß, dass ein solches Verhalten die Regel ist in der heutigen Dating-Welt. Ghosting, Benching, Orbiting und am Ende: Couching – und zwar alleine.

Statt mit einem Freund oder Freundin sitzt man schließlich alleine mit dem Handy auf der Couch. Dort wartet man im schlimmsten Fall vergeblich auf eine Nachricht. Man verschwendet so nicht nur seine Zeit, sonder macht sich im schlimmsten Fall trotzdem noch Hoffnungen. Singles stellen im Laufe der Zeit fest, dass dieses Verhalten nichts mit dem Status, Bildungsgrad oder Alter des Dating-Partners zu tun hat. Selbst Unternehmensberatern, Ärzten oder Anwälten mangelt es plötzlich an den grundlegenden Umgangsformen.

Wer will sich schon fest binden?

Viele Menschen haben Angst davor, sich fest zu binden. Die Aussicht, ihr Leben nur mit einer einzigen Person verbringen zu müssen, wirkt auf viele beklemmend. Eine Affäre bietet sich da an. So hat man beides, eine Beziehung und Freiheiten. Wer diesen Kompromiss nur für sich und ohne seinen Partner schließt, ist schlicht ein Betrüger. Bei einer offenen Beziehung gibt es zwar keine Betrüger, weil sich die Partner gegenseitig erlauben, fremdzugehen. Aber was sagt das über die Beziehung aus? Die Qualität und Stärke des Verhältnisses zueinander zeichnet sich doch gerade durch Treue aus. Schließlich basiert jede gute Beziehung auf Freiheit. Die Paarbeziehung sollte eine starke Grundlage dafür bieten, weiter seine eigenen Ziele und Träume verfolgen zu können.

Frau mit Leucht-Herz

Hoffnungsschimmer

Ghosting, Benching und Co. treten in Zusammenhang mit Dating-Apps wie Tinder immer häufiger auf. Vor wenigen Jahren hörte man noch schöne „Tinder-Stories“ von glücklichen Paaren, die sich dort gefunden und sogar geheiratet haben. Mittlerweile sucht man selbst nach den grundlegendsten Höflichkeitsformen auf Plattformen wie dieser vergeblich. Solch ein Umgang wird den Wünschen der meisten Singles aber zum Glück wohl nicht gerecht. Das zeigte neuerdings eine Litfasssäule in der Nähe des Englischen Gartens sehr deutlich. Diese war von oben bis unten und rundum in Tinder-Werbung gekleidet. Bisher hatte das Unternehmen Reklame nicht nötig.

Man kann vermuten und hoffen, dass das Handy irgendwann wieder zu dem wird, was es ursprünglich einmal war: ein Mittel, um sich zu verabreden. Schließlich wollen wir doch alle echte Zeit miteinander verbringen. So wie die Menschen früher. Es gibt nicht Schöneres, als Ehepaare zu sehen, die seit Jahrzehnten glücklich verheiratet sind. Auf deren Ratschläge sollte man ruhig mal hören. Schließlich haben die sich auch nicht mit weniger zufrieden gegeben als mit einer echten und starken Beziehung.

 

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