Die Journalistin Nadine Regel treibt in ihrer Freizeit sehr gerne Sport – und meditiert regelmäßig. Im Trachtenvogl, einem Café im Münchener Glockenbachviertel, erzählt mir Nadine, was Meditation eigentlich ist und wie es ihr Leben beeinflusst hat.

ENA ALUSHI: Meditation hat seine Wurzeln in fernöstlichen, spirituellen Traditionen. Immer mehr findet diese Praxis auch in der westlichen Kultur Anklang. Für viele Menschen ist es bereits fester Bestandteil des Alltags und des Lebens. Wie bist du zum Meditieren gekommen?

NADINE REGEL: Meditation interessiert mich schon seit einigen Jahren, weil ich nach einem Weg gesucht habe, besser mit meiner inneren Unruhe umzugehen. In einem Meditationsseminar habe ich mich dann intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Da habe ich zum ersten Mal erfahren, was Meditieren bedeutet und wie es mir in meinem Leben weiterhelfen kann.

Was bedeutet Meditation für dich?

Jede Meditation ist eine Kontaktaufnahme mit sich selbst. Im Alltag kann es schnell passieren, dass dieser Kontakt verloren geht und dass man den Bezug zu sich selbst und zu seinen Gefühlen verliert. Beim Meditieren lernt man, mit negativen Gefühlen besser umzugehen, indem man feststellt, dass sie, genauso wie positive Gefühle, zum Leben dazugehören. Sie kommen und gehen. Wenn man einen schlechten Tag hat, kann der nächste Tag wieder ganz anders aussehen. Das macht man sich in schlechten Momenten aber nicht bewusst. Bei der Meditation lernt man, nicht an Negativem festzuhalten. Man öffnet sein Herz gegenüber sich selbst und anderen und ist insgesamt wohlwollender eingestellt.

Frau beim Meditieren

Man öffnet sein Herz

Wie genau gehst du beim Meditieren vor?

Wichtig ist, dass man ungestört ist und sich an dem Ort der Mediation absolut wohl fühlt. Man setzt sich hin, macht die Augen zu und konzentriert sich auf den Atem. Während man auf das Fließen des Atems achtet, lässt man alles kommen und gehen, was einem in den Sinn kommt. Ziel ist es, Gedanken ziehen zu lassen und zu vermeiden, sich in Gedankenspiralen zu verfangen. Ganz ohne Druck. Alles darf geschehen, ob positiv oder negativ. Wenn es gut läuft, kommt man so fast automatisch auf Lösungen. Das kann in schwierigen Lebenssituationen helfen. Zumindest aber fühlt man sich nach der Meditation entspannter und ruhiger.

In welchen Situationen hat dir Meditation schon geholfen?

Wenn ich schwierige Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen werden oft vernunftorientiert getroffen und das ist nicht immer mit dem Gefühl abgestimmt. Mithilfe der Meditation trifft man hingegen Entscheidungen, die aus dem tiefsten Inneren kommen. Sie werden dann nicht nur von außen, etwa von Konventionen beeinflusst, sondern sind mit dem Herzen in Einklang. Das finde ich sehr beeindruckend.

Man macht sich unabhängiger von äußeren Einflüssen

Wie oft muss man meditieren, bis man es beherrscht?

Das ist ein langer Prozess, aber erste Effekte zeigen sich schon nach ein bis zwei Wochen. Was man dann spürt, ist eine größere Gelassenheit. Man wird ruhiger im Umgang mit anderen Menschen, im Job oder bei Alltagsproblemen. Die Meditation lehrt einem, dass Probleme und Ärger vergehen und es für alles Lösungen gibt. Das gibt einem Selbstvertrauen und man schafft es, Menschen, die negativ auf einen wirken, etwas Positives entgegenzusetzen. Hat man etwa einen Kollegen im Büro, der einen stört, muss man nicht gleich kündigen. Meditation hilft, sich mit den Eigenheiten des anderen besser arrangieren zu können.

Woher weiß man, dass die Meditation auch tatsächlich wirkt?

Direkt nach dem Meditieren fühlt man sich meistens besser. Klar gibt es auch Meditationen, in denen das nicht klappt, man nicht wirklich spürt, dass man eine Verbindung zu sich selbst aufgebaut hat. Aber es steht ja kein Leistungsdruck dahinter. Wenn man aber die Verbindung hat, fühlt man sich danach stärker. Man macht sich unabhängiger von äußeren Einflüssen, wie Meinungen von anderen oder dem Beruf. Probleme nehmen an Gewicht ab und man entwickelt eine viel größere Zuversicht, weil man weiß, dass alles in seiner eigenen Hand liegt und man es direkt beeinflussen kann. Man entwickelt Gottvertrauen und Zuversicht. Das ist nicht esoterisch. Es ist überprüfbar und nachspürbar.

Das Ziel ist es, sich von seinem Ego zu lösen

Teelicht-Kerze mit Peace-Zeichen

Dann sollte man ja jedem dazu raten, zu meditieren.

Davon bin ich überzeugt. Das würde dazu führen, dass sich der Einzelne nicht mehr so wichtig nimmt. Meditation fördert die Selbstreflexion und mindert die Veranlagung dazu, dass man überhaupt Hass empfindet. Wer ganz viel meditiert, fühlt sich selig. In so einem Zustand der Seligkeit hat Hass überhaupt keinen Platz. Menschen, die meditieren, kooperieren eher als dass sie auf Konfrontation aus sind.

Warum das?

Menschen, die Konflikte mit Gewalt lösen, tragen viel Schmerz in sich. Die Meditation hilft, diese Verletzungen aufzuarbeiten, gut und gerecht zu sich selbst zu sein und somit auch anderen Menschen wohlgesonnener gegenüber zu treten. Jeder Mensch sollte meditieren. Das könnte sogar Kriege verhindern, weil dann Hass, Neid oder Missgunst an Bedeutung verlören. Durch Meditation löst man sich von seinem Ego. Das ist auch das generelle Ziel beim Meditieren – seinem Ego weniger Gewicht zu geben. Stattdessen sieht man sich eher als Teil eines großen Ganzen.

 

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