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Spaltung mit Folgen
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Zukünftige Welten

Spaltung mit Folgen

Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Petro Poro­schenko hatte im April 2018 den öku­me­ni­schen Patri­ar­chen Bar­tho­lo­mäus I, der den Ehren­vor­sitz im ortho­do­xen Chris­ten­tum hat, um die Loslösung der ortho­do­xen Kirche in der Ukraine von der russischen Orthodoxen Kirche gebeten.

Kommentar von Botond Mihály

Nein, der Aufruf zur Abspaltung von der russischen Kirche kam nicht von der ukrainischen orthodoxen Kirche. Die gibt es nicht.

Er ging vom ukrainischen Präsidenten aus. Und das Parlament des neuen Staates hatte ihn unterstützt. Ein Stück wirtschaftlicher Unabhängigkeit im langen Kampf um die Emanzipation von Stiefmutter Russland ist erreicht.

Während des Kalten Krieges wurde die orthodoxe Kirche in der Sowjetunion stillschweigend gleichgeschaltet. Nach dem Ende des Kalten Krieges erlebt sie nun eine Renaissance. Viel wird gebaut. Es fließt Geld vom Staat und von Spendern. Derweil trösten sich 20 Millionen verarmte Russen bei fetten frommen Pfarrern. Oder erholen sich im Winter mit sauren Gurken und gesalzenem Fisch vom Wodkarausch im Park.

Dabei geht es um noch mehr: die Meinung in den Köpfen. Die russisch-orthodoxe Kirche ist ein wichtiges Propagandainstrument für den Staat. Bartholomaios I., der Patriarch von Konstantinopel, ist gut beraten, den Wunsch der ukrainischen Christen zu berücksichtigen, wenn diese den Mundschenk des russischen Präsidenten, Patriarch Kyrill, ablösen wollen. So könnte sich die Ukraine Europa hinwenden und zu sich finden.

Dadurch wird die Ukraine nicht unabhängig von russischen Gaslieferungen. Zumindest aber wird sie über das Vermögen von 12.000 Pfarreien selbst entscheiden. Das wird man noch wagen dürfen.

Header-Bild: Andreas Dress/Unsplash


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