Nachts im finsteren Wald: die Blätter rauschen, es knackt im Unterholz, aus den Wipfeln schallt ein ächzender Schrei. Eine ungemütliche Vorstellung? Horst Jenicek geht furchtlos in den dunklen Wald. „Angst ist ein Zeichen dafür, dass uns Informationen fehlen“, erklärt der Wildnispädagoge. Der Mensch ist ein visuelles Wesen. Ohne das Sehen, unseren wichtigsten Sinn, fühlen wir uns verletzlich. „Die Angst vor der Dunkelheit entsteht größtenteils aus den Vorstellungen von dem, was sich im Dunkeln verbergen könnte, nicht was tatsächlich ist“, sagt er. Um das Tatsächliche zu erfassen, stellt er in der Dunkelheit alle Sinne auf Empfang. „Eine Bedrohung wie ein wildes Tier oder einen anderen Menschen würden wir hören, riechen oder vielleicht sogar schmecken“, so Jenicek. Dabei hilft gegen das Unbehagen in der Dunkelheit: Sich bewusst machen, dass es in unseren Breiten keine wirklich gefährlichen Tiere und nur selten menschliche Bösewichte gibt.

Über die Sinne zur Natur zurückfinden

Nachtwanderungen sind Teil von Jeniceks Programm. Der Wildnispädagoge will den „modernen Menschen“ die Natur wieder näherbringen. Allen, die den Bezug zu unserem ursprünglichen Lebensraum verloren haben. „Ich muss teilweise sogar erklären, wie der Toilettengang in der Natur funktioniert. Für Leute in der modernen Welt ist das nicht mehr selbstverständlich“, sagt Jenicek. Um mit der Natur in Verbindung zu treten, muss man sie mit allen Sinnen spüren. Der Ansatz des Wildnispädagogen: naturnahe Erlebnisse schaffen und die sinnlichen Fähigkeiten schulen. „Wir haben das Gefühl zu unseren Instinkten verloren. Instinkte sind eine Mischung aus sinnlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen. Genau das kann man in der Natur trainieren“, verspricht er.

 

In seiner Erlebniswerkstatt „Wildpfade“ in Schliersee bietet Horst Jenicek ganz unterschiedliche Natur-Erlebnisse, um die Sinne zu schärfen. Er wandert auf Schneeschuhen um den Spitzingsee, liest Tierspuren im Mondschein, übernachtet im selbst gebauten Iglu oder sucht auf den voralpenländischen Bergwiesen nach essbaren Wildpflanzen. Dabei stellt er immer die Frage: Was sehe ich, höre ich, rieche ich, fühle ich? Neben reinen Erlebnissen vermittelt Jenicek vergessenes Natur-Wissen und praktische Wildnis-Fertigkeiten. „Wildnis fängt da an, wo ich in der Natur meine Komfortzone verlasse“, findet Jenicek.

Wildnis am Schliersee

Deswegen müsse man auch nicht nach Kanada oder Afrika reisen, um Wildnis zu erleben. Sein Naturcamp hat er oberhalb des Schliersees am Rande des Forstwaldes errichtet. Hierher führt er Gruppen, Familien, Abenteuersuchende oder Unternehmen, die der Wildnis ein Stück näherkommen wollen. Er will seinen Gästen zeigen, wie sie mit der Natur und einfachen Bedingungen zurechtkommen: Holz hacken, Feuer machen, Wasser abkochen, Essen zubereiten, im Freien schlafen, einen Unterschlupf aus Ästen und Zweigen bauen. „Wenn ich weiß, wie ich mir im Notfall ein Lager bauen oder ein Feuer machen kann, gehe ich viel selbstsicherer durchs Leben“, findet er. Im Naturcamp ist neben handwerklichen Fertigkeiten auch die richtige Kommunikation wichtig. „True Speaking“ ist Teil des wildnispädagogischen Konzeptes. Es bedeutet: aus dem Herzen heraus sprechen und klare Worte für die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten wählen. „Die Basics der Kommunikation sind uns abhandengekommen. Für das reibungslose Funktionieren einer Gruppe in der Wildnis war die richtige Kommunikation essenziell für das Überleben“, weiß der Wildnispädagoge.

Wie gelingt die Rückkehr zur Natur? Der moderne Mensch muss wieder wild werden! Die Natur mit allen Sinnen spüren, sich in den Wald wagen, auch wenn es dunkel ist. Wer noch zögert, dem gelingt der erste Schritt vielleicht mit Horst Jenicek.

 

Wildpfade

Die Erlebniswerkstatt im Freien
Kontakt: Horst Jenicek
+49 (0) 8026 928 8945 oder
+49 (0) 172 600 5358