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INTERVIEW von Petra Leitmeir

»Es gibt Ärzte und es gibt Heiler«

Ein Interview mit Dr. Heinrich Klaus über Aufstellungsarbeit und alternative Heilmethoden

Der Arzt, Psychotherapeut, Autor und Erfolgscoach Dr. med. Heinrich Klaus hält regelmäßig Vorträge und Seminare über systemische Aufstellungsarbeit und beschäftigt sich außerdem seit 20 Jahren mit den Themen Erfolg, Reichtum und Geld. Das Interview entstand im Anschluss an einen Schnupperabend zum Thema »Geld heilt« in der psychologischen Fachbuchhandlung in München-Schwabing.

Sie sind Mediziner und beschäftigen sich unter anderem mit systemischer Aufstellungsarbeit. Was hat Sie dazu bewogen?
 
 Wissen Sie, es gibt Ärzte und es gibt Heiler, aber wenige Ärzte sind wirklich Heiler.
 
 Wie meinen Sie das konkret?
 
 Ein Magengeschwür kann man herausschneiden. Dann sucht sich die Psyche eben ein neues Zielorgan, zum Beispiel die Gallenblase. Die kann man dann auch wieder herausnehmen und so weiter, bis man an die eigentliche Ursache geht.
 

Der Arzt Dr. Heinrich Klaus  (Foto: Dr. Heinrich Klaus)

Der Arzt Dr. Heinrich Klaus
 (Foto: Dr. Heinrich Klaus)
 

Seit wann ist das so, dass Sie die Medizin ganzheitlich betrachtet haben?
 
 Das war schon ganz früh. Mein Vater war Heiler, aber er hat es nicht gewusst. Er arbeitete als Chirurg und praktischer Arzt und dachte, dass sein »Handwerk« die Leute gesund macht, aber es war er selbst, der heilen konnte. Er selbst hat das nicht gesehen. Er hat mich oft mitgenommen, wenn er zu den Familien der Patienten gefahren ist. Ich saß im Wohnzimmer und die Patienten haben mir dann erzählt, wie toll er ist. Kinder sind da viel bewusster. Sie nehmen vieles wahr und sehen Lösungen, die die Eltern nicht akzeptieren. Meine Uni war der Mittagstisch, an der mein Vater seine »Vorlesungen« hielt. Es hat viele Diskussionen zwischen uns gegeben. Sie müssen sich vorstellen, das war im Ruhrgebiet, 50er Jahre, mein Vater war von dieser Atmosphäre geprägt.
 
 Und später haben Sie dann also auch Medizin studiert. Hat es da dann viele Konflikte gegeben mit der Schulmedizin?
 
 Oh ja. Vor allem mit den Chefärzten.
 

Wie war es überhaupt möglich, das Medizinstudium im konservativen schulmedizinischen Umfeld mit dieser Sichtweise erfolgreich abzuschließen?
 
 Ich würde keinem so einfach zuraten, Medizin zu studieren. Ich bin damals auf viel Widerstand gestoßen. Aber das waren die 68er damals, da hat man sich nichts mehr gefallen lassen. Wir waren rote Tücher für die Professoren. Die haben sich nicht getraut, uns zu prüfen und haben Stellvertreter geschickt, weil sie Angst vor uns hatten.
 Ich habe mein Studium aber sogar sehr gut abgeschlossen. Ich bin nämlich schon mit 17 auf die Uni gegangen. Mit 25 hatte ich meine Promotion und auch schon meine Approbation abgeschlossen und gehörte damit zu den jüngsten Ärzten in Deutschland. 1975 habe ich allerdings Deutschland verlassen und bin 15 Jahre lang in der Welt gewesen, mich fortgebildet und das getan, woran ich Interesse fand, als Lastwagenfahrer, Waldarbeiter, im Krankenhaus oder in religiösen Zentren. Ich habe damals fast alles ausprobiert. Verschiedene Methoden der Humanistischen Psychologie, Psychoanalyse, Geistheilung, sogar Schamanismus. Ich habe das alles angeschaut und davon gelernt.
 
 Inwieweit integrieren Sie alternative Heilmethoden in ihre tägliche Arbeit?
 
 Ich praktiziere seit 33 Jahren Psychotherapie. Doch nur die Richtlinienpsychotherapie wird von den Kassen bezahlt. Da gibt es strenge Auflagen. Aber soll ich eine reine Privatpraxis aufmachen? Es kommen aber auch Menschen mit weniger Geld und auch die bekommen eine erstklassige Behandlung. Die Aufstellungen, Vorträge und Coaching betrachte ich als zweites Standbein.
 

Dr. Heinrich Klaus bei einem Seminar  (Foto: Dr. Heinrich Klaus)

Dr. Heinrich Klaus bei einem Seminar
 (Foto: Dr. Heinrich Klaus)
 

Warum funktionieren Methoden wie die Aufstellungsarbeit?
 
 In der Aufstellung werden verschiedene Aspekte der Psyche sichtbar, weil ich ein Kraftfeld schaffe, so eine Art elektromagnetisches Feld, so wie es auch im Kopf der Klienten vorhanden ist. Bilder sind ja bioelektrische Entladungen im Gehirn, so wie ich ja auch Fotos im Computer speichere und anschauen kann.
 Nehmen wir zum Beispiel die Frau, die heute beim Schnupperabend ihr System aufgestellt hat: Indem sie ihre inneren Widerstände und Spannungen zum Thema »Geld« aufgebaut hat, entstand eine Art Fingerabdruck. Es sind einfach nach außen gestülpte Gedankenmuster. Sie macht ihr inneres Drama sichtbar und zwar nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen im Raum. Es ist nicht so mystisch. Es wird einfach aufgebaut wie in einem Theater. Es zeigt, in welcher Spannung sie mit sich selbst steht. Sie sucht Personen aus, stellt sie im Raum auf und die sagen dann, was sie fühlen, wenn sie so oder so zueinander gestellt worden sind. Ich bin nur da, damit die Dinge nicht gleichzeitig passieren. Ich ordne, stelle Fragen und moderiere.
 

Bedeutet das dann nicht, dass alles miteinander verbunden ist und energetisch keine Trennungen zwischen den Dingen existieren?
 
 Das ist nicht so esoterisch wie man denkt. Benutzen Sie nicht das Wort »Energien«, das ist einfach kein neutrales, unbesetztes Wort.
 
 Warum denn das?
 
 Wenn man in psychologischen Kreisen das Wort »Energien« erwähnt, ist man sofort unwissenschaftlich. Ich brauche gar nicht mehr diese »Knöpfe« bei den Leuten zu drücken, weil ich bessere Erklärungen habe. Alle im Raum sehen doch mit eigenen Augen, wie die Situation sich darstellt. Heute Abend hat das »Geld« der Hauptperson der Aufstellung den Rücken zugedreht. Auch, wie ihr »innerer Widerstand« da aufgestellt war, haben doch alle gesehen. Da brauche ich doch nicht irgendwelche »Energien« zur Erklärung.
 

Aufstellungsarbeit (Foto: Dr. Heinrich Klaus)

Aufstellungsarbeit
 (Foto: Dr. Heinrich Klaus)
 

Meinen Sie, dass in der Schulmedizin oder der Schulpsychologie sich nicht doch irgendwann etwas ändern wird? Dass sich eine ganzheitliche Sichtweise irgendwann durchsetzen wird?
 
 (schüttelt ungläubig den Kopf) Das, was da praktiziert wird, nennt sich Richtlinienpsychotherapie. Und die basiert auf Kognition, Analyse,Verhaltensmodifikation; das ist dann definiert zum Beispiel als Tiefenpsychologie oder Verhaltenstherapie. Dafür gibt es Ausbildungswege und Qualitätskontrollen. Für viele ist das sicherlich nützlich.
 Der Markt wird Manches irgendwann bereinigen, denn die Leute werden einfach dahin gehen, wo sie am Besten geheilt werden.
 

WEITERE INFORMATIONEN
 
 Informationen zur Aufstellungsarbeit
 
 Informationen zu Dr. Heinrich Klaus und seiner Arbeit
 
 » Imagineering
 » Praxis von Dr. Klaus
 
 Neuerscheinung von Dr. Heinrich Klaus
 
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