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Im Tandem zum Erfolg

Vom Young Professional zum erfolgreichen Kommunikationsmanager mithilfe eines erfahrenen Mentors

Um jungen Leuten den Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern, gibt es in vielen Branchen sogenannte Mentoring-Programme. Dabei gehen ein berufserfahrener Mentor und ein Berufsneuling, ein sogenanntes Mentee, eine wechselseitige Beziehung ein, in der beide voneinander profitieren. PR-Berater Volker Stürzeberger ist Mentor bei der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG). Im Gespräch berichtet er über ein Berufsbild im Wandel und was PR-Neulinge beim bundesweiten DPRG-Mentoring erwartet.

Ein Interview von Jessica Reger

Mit über 30-jähriger Berufspraxis gehört Volker Stürzebecher zu den PR-Profis. Von Einsteigern zu lernen ist für seine eigene PR-Arbeit trotzdem interessant. Foto: Jessica Reger

Mit über 30-jähriger Berufspraxis gehört Volker
 Stürzebecher zu den PR-Profis.
 Von Einsteigern zu lernen ist für seine eigene
 PR-Arbeit trotzdem interessant.
 Foto: Jessica Reger
 

Herr Stürzebecher, wie sieht das Unterstützungsangebot der Erfahrenen für Berufsanfänger aus?
 Das DPRG-Mentoring erstreckt sich in der Regel über ein Jahr. Währenddessen trifft sich der Mentor regelmäßig mit seinem Mentee. Das funktioniert am besten, wenn das Mentee Eigeninitiative entwickelt, sich selbst Zwischenziele steckt und dabei Wissen und Input vom Mentor einfordert.
 
 Werden dabei Situationen aus dem Arbeitsalltag besprochen oder Karrierestrategien erarbeitet?
 Das ist bei jedem Tandem anders. Berufseinsteiger profitieren umso mehr, je mehr sie selbst steuern. Dabei können durchaus persönliche Stärken und Schwächen angesprochen werden. Es geht jedoch nicht um psychologische Beeinflussung. Der Fokus liegt auf der beruflichen Entwicklung des Mentees. So werden zum Beispiel Ziele entwickelt oder auf Work-Life-Balance wie auch Lebensplanung mit beruflichen Schwerpunkten fokussiert. Voraussetzung ist dabei immer eine starke Vertrauensbasis.
 
 Sehen Sie das Mentoring als Mittel zur Karriereentwicklung in allen Phasen der beruflichen Laufbahn?
 Ein Berufsanfänger profitiert in seiner beruflichen Entwicklung mehr vom Mentoring. Aber es ist auch für Menschen interessant, die schon Berufserfahrung haben, also ein paar Jahre in Agenturen, Verbänden oder in der Industrie gearbeitet haben. Diese können dann abgleichen, wo sie stehen und wie es weitergehen könnte. Je nach Ausrichtung des Unternehmens und dessen Haltung zur Kommunikation ändert sich das Arbeitsfeld des PRlers zunehmend. Das Leben ist ein permanenter Lernprozess, daher würde ich jederzeit ein Mentoring annehmen, auch in meinem Alter.
 

PR - das ist für den DPRG-Mentor eine Berufung.  Begeistert erzählt er, wie er seinem Mentee mit Rat und Tat zur Seite steht. Foto: Jessica Reger

PR - das ist für den DPRG-Mentor eine Berufung.
 Begeistert erzählt er, wie er seinem Mentee mit Rat
 und Tat zur Seite steht.
 Foto: Jessica Reger
 

Hätten Sie Mentoring zu Ihrer Zeit als Berufseinsteiger genutzt?
 (lacht). Ich glaube ich hätte damals keine Zeit gehabt, auch wenn ich es gerne gemacht hätte.
 
 Heute sind Sie selbst Mentor. Was zeichnet einen Mentor aus?
 Der Mentor sollte offen für neue Entwicklungen sein. Er muss sich für das interessieren, was sein Mentee bewegt. Ich bin sehr bemüht, junge Menschen zu verstehen. Dadurch kann ich von ihnen lernen.
 
 Wie profitieren Sie vom DPRG-Mentoring?
 Es ist interessant zu sehen, wie heute anderswo gearbeitet wird. Mein Mentee ist in einer spezialisierten Agentur, wodurch ich Kontakt mit einer Branche bekam, die ich zu Beginn des Mentorings nicht kannte. Wie kann ich von diesem neuen Wissen der nachkommenden Generation profitieren, um selbst erfolgreich zu bleiben? Was haben diese Leute gelernt, was ich nie lernen konnte? Mein Mentee half mir zu verstehen, wie junge Leute heute denken. So konnte ich dessen Entwicklung am besten unterstützen. Aber ich habe mich manchmal auch gefragt, ob mein konstruktiv gemeinter Input ankommt.
 

Was war der ausschlaggebende Impuls Mentor zu werden?
 Seit vielen Jahren sage ich den Verbänden, dass eine Vereinheitlichung der PR-Ausbildung nötig ist. Sie muss etabliert werden, weil sich bis heute jeder „PR-Berater“ nennen kann. Das ist kein geschützter Begriff. Mittlerweile läuft die Professionalisierung und Vereinheitlichung der Ausbildung, aber es gibt noch viel zu tun. Nun werden die Verbände aktiv, die DPRG geht hier mit ihrem Mentoring-Programm mit gutem Beispiel voran. Zudem stellt der Landesverband Bayern der DPRG sehr viel auf die Beine. Ich bin beim Start des Programms gefragt worden, ob ich als Mentor tätig werden will. Da habe ich mir gesagt, dass das im Grunde genau das ist, was mir Spaß macht. Außerdem gebe ich so dem Verband etwas zurück, was er mir durch seine interessanten Veranstaltungen bietet.
 
 Ist es unabdingbar, PR-Wissen breit anwenden zu können? Oder ist es von Vorteil, sich als Fach-Spezialist auf spezielle Bereiche zu fokussieren?
 Agenturen und Berater können nie alles alleine abdecken. Externe PR-Beratung verlangt je nach Kundenauftrag und Problemstellung situative Kooperation von Spezialisten. Breites Wissen und ein gutes Netzwerk waren schon immer Gold wert. Zusammenfassend kann man sagen: Als erfolgreicher PR-Mensch muss man ein gut vernetzter und spezialisierter Generalist sein.
 

Die DPRG ist ein Berufsverband für alle Kommunikations- und PR-Fachleute mit über 3000 Mitgliedern und Sitz in Berlin. Sie informiert über das Berufsbild, schafft mit einer Vielzahl an Veranstaltungen eine Vernetzungs-Plattform und bietet eine Jobbörse. Zudem unterstützt sie seit Jahren die Nachwuchsförderung mit seinem Mentoring-Programm. Mentee und Mentoren können ihre Bewerbungen laufend einreichen.

Volker Stürzebecher ist selbstständiger Berater für Unternehmenskommunikation und Fachjournalist. Mit seinen 30 Jahren Berufserfahrung in Presse- und Verbandsarbeit sowie als Management- und Verkaufstrainer konnte er sein Knowhow seit 2012 als ehrenamtlicher DPRG-Mentor an sein Mentee weitergeben.