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Redewendungen in der deutschen Sprache

Fixe Wortgruppen und Redewendungen sind seit Urzeiten fester Bestandteil der deutschen Sprache. Sie sind belegt in geschichtlichen Aufzeichnungen, in der Volkskunde, Literaturwissenschaft und Folklore.
 
 Deutsche Linguisten haben sich erst in den 1960er Jahren und unter dem Einfluss Schweizer, britischer und sowjetischer Sprachforscher für diese Wortgruppen interessiert. Zuvor hatten sie die deutsche Sprache in erster Linie unter grammatikalischen Gesichtspunkten untersucht.
 
 Seit den 1970er Jahren gibt es einen eigenen Forschungsbereich innerhalb der deutschen Linguistik, der sich mit feststehenden Wortverbindungen beschäftigt: die Phraseologie (Lehre von den Phrasemen).
 
 Häufig genutzte Alternativbegriffe für Phraseme lauten: Redewendungen, phraseologische Wortverbindungen, Idiome oder Phraseologismen.
 

Was genau ist ein Phrasem?

Die Wissenschaftler sind sich nicht einig. Manche Forscher bezeichnen schon zwei inhaltlich fest zueinander gehörige Wörter, zum Beispiel „eiserner Vorhang“ als Phrasem. Andere lassen erst „Satzwertiges“, wie „jemandem einen Korb geben“ oder gar ganze Sätze in immer fixer Form als Phrasem gelten. Letzteres kann ein Sprichwort sein wie „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.
 
 Fest steht: Es handelt sich immer um Polylexeme (poly = mehrere/viele, lexis = Wörter), die in einer stabilen Wortgruppe eine bestimmte fixe gemeinsame Bedeutung haben. Der Sinn eines Phrasems geht häufig über die wörtliche Bedeutung der einzelnen Bestandteile hinaus, beispielsweise „jemandem Licht ans Fahrrad machen“ bedeutet „jemandem den Weg weisen“.
 

Wodurch entstehen Phraseme?

Durch Wiederholung. Redewendungen sind erst dann Redewendungen, wenn Einzelaussagen so oft reproduziert wurden, dass sie in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind. Noch genauer gesagt: wenn Zuhörer oder Leser die Bedeutung einer Wortgruppe als Ganzes wiedererkennen.

Wer nutzt sie?

Phraseme sind in allen gesellschaftlichen Gruppen zu finden. Frauen und Männer, Junge und Alte, Arme und Reiche nutzen Redewendungen. Sie werden sowohl in der gesprochenen als auch der geschriebenen Sprache verwendet, im Privatumfeld wie auch in der Werbung und Presse.

Warum werden sie genutzt?

Redewendungen können Autorität und Erfahrung transportieren, Aufmerksamkeit erzeugen, Bildung – oder bei falschem Gebrauch Unbildung – demonstrieren und die Zugehörigkeit von einzelnen Personen zu einer bestimmten Sprechergruppe definieren. Manchmal macht das Spiel mit Phrasemen auch einfach nur Spaß.

Tipps zum Weiterlesen

Donalies, Elke: Basiswissen Deutsche Phraseologie. Tübingen und Basel, 2009.
 
 Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche – 500 bekannte deutsche Werbeslogans und ihre Geschichte. Frankfurt, 1999.
 
 Krüger-Lorenzen, Kurt: Deutsche Redensarten und was dahinter steckt. München, 2001.
 
 Kube, Sigi: Der Wolf im Schafspelz tappt im Dunkeln. Die Herkunft alltäglicher Redewendungen. München, 2008.
 
 Pruys, Karl Hugo: Bis in die Puppen. Die 100 populärsten Redensarten. Berlin, 2008.
 

Weblinks

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